Olympische Spiele – Der Traum eines jeden Sportlers

Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro stieg von Tag zu Tag. Vor allem als die Eröffnungsfeier stattfand und der Kampf um die Medaillen begann, während ich mich noch zu Hause in Deutschland vorbereitete, stieg die Anspannung. Der Tagesablauf sah etwa so aus:

Trainieren à Arbeiten à Trainieren à Schlafen und Essen.

Am 12.08. ging es dann endlich auch für mich los. Mit noch insgesamt 8 weiteren Leichtathleten machten wir uns auf die Reise unserer Kindheitsträume. Nach einem 11h Flug von Frankfurt nach Rio und einer wundervollen Busfahrt durch die Stadt kamen wir gut im Olympischen Dorf an.

Zuerst holten wir uns unsere Akkreditierung ab, die im olympischen Dorf ja essentiell ist. Damit kommt man ins Dorf, kann in die Mensa zum Essen, mit dem Shuttlebus fahren und natürlich die Sportveranstaltungen besuchen.

Danach holte ich erstmal alle wichtigen Informationen ein und machte mich auf den Weg in die riesige Kantine. Diese war 24h offen, da es viele verschiedene Esskulturen gibt, die Sportler, Betreuer, Physios, Ärzte, Volunteers und Dorfpersonal ganz unterschiedliche Wettkampf- und Arbeitszeiten haben. Bei ca. 30.000 Menschen (10.000 Athleten, 8.000 Betreuer, 12.0000 Dorfpersonal) im Dorf somit verständlich.

Das Appartement teilte ich mir mit Florian Orth, Homiyu Tesfaye, Julian Weber, David Storl und Tobias Dahm.

Die 4 Tage bis zum Wettkampf vergingen wie im Flug. Morgens und abends ein leichtes Training und ansonsten Ausruhen, sich mit vielen tollen Athleten unterhalten und auf den Wettkampf freuen.

Die Vorbereitung auf das Rennen verlief in etwa so:
Ich fühlte mich vor dem Rennen bereit für den Lauf, wusste über meine Stärken Bescheid und wollte wie letztes Jahr bei der WM in Peking ins Finale kommen. Die letzten Tage hatte ich mich genauso vorbereitet wie bei der WM. Am Montag also zwei Tage vor dem Rennen ein etwas schnelleres Programm (6x400m von 62-58sek gesteigert mit 90-120‘‘ Pause) und ansonsten Dauerläufe 10-15km in ~4:00min pro km absolviert.

Am Vortag wurden die Einteilungen für die Vorläufe  veröffentlicht und ich konnte mich auf Konkurrenz und Taktik im ersten Lauf von Zweien einstellen. Es waren u.a. der Weltmeister und Vize-Weltmeister von 2015 in meinem Rennen, sowie der Europameister aus Amsterdam.

Das Warm-up und das Callroom-Prozedere waren Routine, wie ich sie über viele Jahre kennen gelernt habe. Der Einlauf ins Stadion war großartig, da viele Zuschauer im Stadion für Stimmung sorgten.

Das Rennen:
Der Startschuss ließ die Anspannung verfliegen und das Feld machte sich auf den Weg für die 12 ½ Runden. Die Qualifikationsrichtlinien waren jedem Athleten klar. Die ersten 5 des Laufes, sowie 5 weitere Zeitschnellstes beider Läufe zusammen, kommen in das 15-köpfige Finale.

Doch gleich nach 150m ging Mo Farah (GBR) und Abdi Bashir (BEL), beide aus Somalia stammend, vor  das Feld und mir war bewusst, was dies bedeutet :Jetzt wird es langsam und nur die ersten 5 kommen weiter.

Ich entschied für eine Runde nach vorne zu gehen, um das Tempo ein bisschen zu verschärfen, und so eine größere Chance für das Finale zu haben. An diesem Tag, in diesem Lauf, wollten die anderen Athleten allerdings ein ruhiges Rennen und so blieb ich 700m vorne und sortierte mich dann hinter dem Japaner an zweiter Stelle ein. Irgendwann stellte ich fest, dass wir beide trotz langsamen Tempos ein ganzes Stück vor dem Feld lagen. Nach einer Weile ließ ich mich daher wieder ins Feld zurückfallen, um Kräfte für die Schlusskilometer zu sparen. Doch bereits nach 3.000m in 8:15 min merkte ich meine Kraft schwinden und hoffte, dass dies nur von kurzer Dauer ist. Leider konnte ich nach 3.400m dem Feld nicht mehr folgen und alle Aussichten auf den Traum des Finales waren gestorben. Ich quälte mich die letzten 4 Runden ins Ziel und wusste überhaupt nicht wieso ich die guten Trainings nicht umsetzen hatte können und mich so schwach fühlte.

Was war falsch gelaufen und warum ausgerechnet heute? Ein Tag später wusste ich mehr. Starke Bauchschmerzen und Fieber, die 8 Tage lang kein Training zugelassen haben, waren das Ergebnis. Sicherlich war dies nicht der einzige Grund, warum ich am Ende 14:05min und weit weg von der Spitze ins Ziel gekommen bin. Aber einen großen Anteil an dem Misserfolg war dies sicherlich schon.

Die restlichen Spiele
Ich versuchte trotz dieses Laufes in den nächsten Tagen das besondere Erlebnis, den Flair der Olympischen Spiele aufzunehmen. Besonders die Stimmung beim Mountainbike und Marathon Event haben mich beeindruckt und geben mir Motivation für die Zukunft.

Danke
Danken möchte ich allen Menschen, die mich auf meinem Weg zu den Olympischen Spielen begleitet haben: ohne Euch wäre mein Traum, Teilnehmer in Rio zu sein, nicht in Erfüllung gegangen.

Das geht bei meiner Familie und meiner Freundin los, die jeden Tag für mich da sind; meinen Trainern, die mir einen optimalen Trainingsplan schreiben, damit ich mich Jahr für Jahr verbessere; meinem Physioteam, die mir meine Muskeln lockern und mich bei Verletzungen wieder gesund biegen; meinen Sponsoren, die mir Ausstattung zur Verfügung stellen, damit ich mit bestem Material auf die Strecke gehen kann, sei es Adidas (mit Schuhen und Kleidung), Ultrasports (mit Sportgetränken und Nährstoffen) oder die privaten Sponsoren, die mir finanziell zur Seite stehen.
Danke, ihr seid der Grund dafür, dass ich so weit gekommen bin!

Danke auch an alle Fans, die mich beim Wettkampf anfeuern und mich motivieren eine Bestzeit zu erzielen, oder einen Lauf zu gewinnen. Ihr seid großartig.