Höhentrainingslager Flagstaff (2.100m ü.M.) – Neue Erfahrungen bringen mich weiter

Zum ersten Mal in meiner Läuferkarriere stand ein Höhentrainingslager (22.10.-12.11.2016) an. Dieses habe ich bewusst nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgewählt, um ganz locker an die neue Erfahrung mit Zeitverschiebung, Höhenanpassung und Klimaumstellung heranzugehen. Es ist auch wichtig, um heraus zu finden, ob man überhaupt der „Typ“ für die Höhe ist, sprich der Körper darauf reagiert. Nicht nur das Körpergefühl soll dabei helfen, sondern auch etwas Handfestes wie konkrete Werte. Deshalb habe ich vor, sowie nach dem Trainingslager, ein Blutbild machen lassen.

 

Bereits die lange Anreise nach Amerika ist gewöhnungsbedürftig.

Erst ging es mit dem Auto ein Tag vor dem Flug nach München, um dann morgens über Washington nach Phoenix zu fliegen. Von dort ging es nochmal mit dem Auto weiter nach Flagstaff zu unserer Unterkunft. Insgesamt ist man knapp einen ganzen Tag unterwegs und fällt komplett erschöpft ins Bett. 9h Zeitunterschied hat bedeutet, eine SMS nach Hause zu schicken um 23Uhr, um zu sagen, dass wir gut angekommen sind, um dann prompt die Antwort zu bekommen „Guten Morgen“.

 

Die ersten Tage gelten der Anpassung, welche mir mein Körper mit verschiedenen Signalen gezeigt hat. Der Puls war etwas höher, der Magen spielte etwas verrückt und Kopf, Hals und Nase gaben ihrerseits was von sich. In der ersten Woche ging der Schnitt der Dauerläufe von 4:40min auf 4:00min runter. Also eine Woche Zeit muss man sich schon geben, um sich an die Höhe zu gewöhnen.

 

Die Konzentration lag auf der Grundlagenausdauerentwicklung, den Sprints und dem Krafttraining.

So fing ich an, die ersten Tage zwischen 22-26km pro Tag zu laufen und diese bis Ende des Trainingslagers auf 28-32km am Tag zu steigern. Im Schnitt hieß das ca. 30km pro Tag und nach jedem 5. Tag einen Ruhetag einzulegen bzw. eine Wandertour. Diese war aber auch anspruchsvoll. Zum Beispiel: 27km durch den Grand Canyon oder 8km zum Humphreys Peak (3.851m hoch) und wieder zurück.

 

Die Trainingsbedingungen in Flagstaff waren optimal. Gleich bei der Unterkunft ging es in den Wald, in dem tolle breite Forstwege aber auch anspruchsvolle Trails zu finden waren. Die bekannte „Kenyan Piste“ ein toller Schotterweg ging auch direkt bei uns los. Des Weiteren war eine Laufbahn 4km Fußweg entfernt, was perfekt mit dem Einlaufen verbunden werden konnte und der berühmte Buffalo Park (2 Meilen Runde) war auch nur 15min Autofahrt entfernt. Des Weitern gab es eine sehr schöne lange Dauerlaufrunde beim Lake Mary.

 

Was hat mir diese Maßnahme nun gezeigt?

Zum einen zeigten die Blutergebnisse ein gutes Bild, sodass ich nun sichergehen kann, dass sich mein Körper für ein Höhentraining eignet. Das Hämoglobin z.B. stieg z.B. um 11% auf 16,3 an. Damit lässt sich der Sauerstoff im Körper natürlich besser transportieren. Man kann damit also mehr aufnehmen und diesen besser verarbeiten. Der Laktatspiegel steigt damit nicht so schnell an und die „Schwelle“ wird besser. Das Positive ist sicherlich, dass mein Körper auf die veränderten Bedingungen reagiert. Negativ ist die lange Anreise, wobei diese z.B. nach St. Moritz für uns hier am Bodensee nicht allzu lange ist. Zum anderen muss man mit einer Anpassungszeit rechnen und kann sein geregeltes Training nicht so umsetzten wie zu Hause, muss also deutlich an Tempo herausnehmen.

 

Wie ich in den nächsten Jahren das Höhentrainingslager einsetze wird sich zeigen.

Die Erfahrung habe ich aber auf jeden Fall gebraucht. Jetzt weiß ich wie Höhentraining für mich konkret wirkt.

 

Viele Grüße von Eurem Läufer vom Bodensee