Hallensaison 2018

Zu Beginn der Saisonvorbereitung habe ich mich dafür entschieden, wieder eine Hallensaison zu bestreiten.

Das große Ziel war die Teilnahme an der Hallen-WM in Birmingham über 3.000m (Norm 7:52,00). Das Interessante an Hallenrennen ist, dass es nur einen kurzen Zeitraum dafür gibt (Ende Februar bis Anfang März). Man muss also eine gute Balance zwischen Training und Wettkämpfen finden, damit man beim Tag X auch fit ist.

Ich hatte mir schon früh Startplätze bei den großen Hallenmeetings ergattert und konnte mich konzentriert auf diese hinarbeiten. Leider erwischte mich dann doch mit Ende Januar eine Erkältung und der gute Plan schien erst einmal dahin. Aber der Reihe nach….

27.01. Val-de-Reuil (FRA) 1.500m
Als Einstiegsrennen ging es für mich auf die Unterdistanz. Mein Ziel war es meine Bestzeit aus dem Jahr 2011 (3:45,40) endlich hinter mir zu lassen und einfach ein Gefühl für die kurzen Bahnrunden (200m laps) zu finden. Dies gelang mir auch zufriedenstellend. In einem schnellen Rennen, welches in 3:36,05min von einem 18-jährigen Äthiopier gewonnen wurde (U20 Weltrekord), konnte ich mich mit meinen 3:43,84 ganz gut sehen lassen.

03.02. Karlsruhe (GER) 3.000m
Eigentlich sollte es in Karlsruhe dann für mich weitergehen. Die Norm für die Hallen-WM sollte hier (IAAF World Indoor Tour) unterboten werden. Doch wie beschrieben, bremste mich eine Erkältung aus und ich musste schweren Herzens mein Renneinsatz zurückziehen.

06.02. Düsseldorf (GER) 3.000m
Da die Hallensaison wirklich nur sehr kurz ist, stand das nächste Rennen gleich drei Tage später an. Ob mein Körper in dieser kurzen Zeit wieder in Vollbesitz seiner Kräfte wird, sei dahin gestellt. Ich wollte nun einfach meine Quali abhaken und mich wieder in ein geordnetes Training stürzen.

Leider habe ich noch nicht ins Rennen gefunden, denn die Krankheit hatte doch noch Spuren im Körper hinterlassen. Am Ende fehlten mit 7:54,07 ein bisschen mehr als 2sek zur Norm.

Zwischenbilanz
Nach dem Rennen war ich natürlich sehr unsicher wie es weiter geht und ob es überhaupt noch eine Möglichkeit für ein 3.000m Rennen gibt und es Sinn macht, seine Strukturen im Training aufzubrechen und noch einen Normangriff zu wagen.

Hier gilt ein großer Dank an meine Freundin und Familie, die mich wieder aufgebaut haben und meinem Manager Dave Klink, der für mich ein passendes Rennen für einen Neuversuch gefunden hatte.

13.02. Líevin (FRA) 3.000m
Am Dienstag vor den Deutschen Meisterschaften gab es für mich also nur eines. Alles oder Nichts. Das Rennen startete  schnell, schließlich waren auch Topstars aus Afrika wieder am Start (allen voran Muktar Edris, Weltmeister 5.000m - Bezwinger von Mo Farah in London).
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Bei 1.000m ging ich mit 2:35min ordentlich an musste aber kurz darauf schon eine Lücke zur Spitze reißen lassen und mein eigenes Rennen laufen. Die 2.000m Zwischenzeit zeigte 5:12min an und ich fühlte mich noch recht gut. Eine 2:40 auf dem letzten km sollte also reichen, um bei der WM in Birmingham dabei zu sein. Am Ende zeigte die Ergebnisliste 7:49,84min an und ich hatte es geschafft. Glücklich und erschöpft trat ich die Heimreise an und bereitete mich auf die Deutschen Meisterschaften in Dortmund vor.

17.02. Dortmund (GER) 3.000m Deutsche Meisterschaft
Sobald es zu den Deutschen Meisterschaften geht, bin ich immer besonders motiviert, konzentriert und fokussiert auf meinen Lauf. Deutscher Meister zu werden ist immer ein besonders Erlebnis. Sagen zu können man ist der Beste im Land ist schon ein tolles Gefühl. Natürlich ist die Erwartungshaltung groß, da ich als Favorit gelte, aber so einfach ist das nicht. Seit den Deutschen Cross-Meisterschaften im Jahr 2014 bin ich ungeschlagen, sobald ich an der Startlinie bei Deutschen Meisterschaften stehe. Der in Dortmund sollte ein besonderer werden. Mein 10. in Folge.

Zum Renen: -> Link auf Video
Typisch für ein Meisterschaftsrennen ging es wieder recht ruhig zur Sache. Den ersten km passierten wir in ca. 2:51  min Tempo. Dann übernahm ich kurz für zwei Runden die Führung, um mich auch mal zu zeigen und ein bisschen für Unruhe im Feld zu sorgen. Ich sortierte mich dann wieder an zweiter bis dritter Stelle ein, um meine Kräfte für den Schluss zu sammeln. Kurz vor dem letzten km wurde das Tempo dann deutlich erhöht, ich wehrte einige Angriffe der anderen Läufer ab,t und gestaltete nun das Rennen von vorne. Die 2.000m sind wir in lockeren 5:43min durchgegangen.
Ich erhöhte konsequent die Renngeschwindigkeit von 30,81 / 30,80 / 30,14 / 28,28 / 26,90, sodass dies das Feld auseinandersprengte und ich auch den Angriff von Clemens Bleistein abwehren konnte und mit 8:10,14 min den Deutschen Meistertitel gewinnen konnte.
Jetzt galt die ganze Konzentration der WM in Birmingham. Es war noch Zeit einige gute Trainingsprogramme zu absolvieren und einen Rhythmus vor dem Wettkampf zu bekommen.

02.03. Birmingham (GBR) 3.000m Weltmeisterschaft Vorlauf
Meine erste Hallen-WM stand an. Was mich sehr freute war, dass ich diesmal über die Langstrecke nicht alleine die Farben Deutschlands vertrat, sondern mit Clemens Bleistein gemeinsam die 3.000m in Angriff nehmen durfte.

Ganz gespannt warten wir Läufer dann immer auf die Laufeinteilungen. Ist es der erste oder der zweite Lauf, mit welchen Läufern dürfen wir uns messen? Nach diesen Einteilungen legen wir dann unsere persönliche Strategie fest. Die ersten vier Athleten sind sicher im Finale, sowie 4 Zeitschnellste aus beiden Vorläufen.

Clemens wurde im ersten Lauf eingeteilt und ich im Zweiten. Durch ein paar Athletenabmeldungen sah der zweite Vorlauf ein bisschen einfacher aus und mir wurde bewusst das die TOP4 hier durchaus möglich ist, obwohl ich einige Athleten schlecht einschätzen konnte, da ich diese noch überhaupt nicht kannte, außer ihre schnellen Zeiten.

Im zweiten Lauf wissen wir als Athleten natürlich die Zeiten des ersten Laufes und können uns ein bisschen darauf einstellen. Der erste Lauf war ziemlich schnell. Mit 7:43 min wurde dieser gewonnen und Clemens legte mit 7:49 eine Bestzeit als 7. hin. Der 8. Mit 7:57 min war allerding schon etwas weg, womit mir klar war, dass 5 Athleten aus unserem Lauf sehr gute Chancen auf das Finale haben.

Zu Beginn meines Rennens sortierte ich mich an mittlerer Position ein und lief einfach mit. Der Argentinier machte die Pace, hängte das Feld aber zwischendurch ein wenig ab. Vorne ging der erste km mit 2:37 min weg. Wir im Feld passierten ihn bei ca. 2:40 min. Bei km zwei in 5:18 ging ich bereits vor auf Position 4 und konnte alle Tempoverschärfungen bis zum Schluss mitgehen. Mit einer 2:31 auf dem Schlusskilometer und einer Saisonbestzeit von 7:49,60min als Vierter meines Laufes, konnte ich mich erstmal sicher für das Finale qualifizieren. So dachte ich die ersten 30min nach dem Wettkampf. Clemens und ich im Finale bei der WM. Was für ein Zeichen als Deutsche Läufer.

Die Geschichte der Disqualifikation
Was dann aber geschah war hart für mich. Ich wurde disqualifiziert. Ich solle einen Athleten 600m vor Ziel behindert haben. Nicht aber der Athlet hatte Einspruch eingelegt, was eigentlich der Normalfall ist, wenn so eine Beschwerde zustande kommt, sondern der Kampfrichter. Der DLV legte auch sofort Protest ein und wir waren uns sicher, dass dieser auch durchgeht und ich am Sonntag im Finale starten darf. Ich war mir sicher, dass mein kleiner Rempler wirklich harmlos war. Doch der Schiedsrichter gab dem Protest nicht statt und ein Tag der gut begonnen hatte, wurde durch diese Geschichte mit einer riesen Enttäuschung beendet.

Die Schiedsrichter haben bei dieser Meisterschaft viele WM-Träume zerstört. Alleine bei unserem Lauf wurden vier Athleten disqualifiziert. Die anderen drei wurden wegen Betreten des Innenraums gesperrt, was aber einfach mal vorkommt bei dem engen Kurvenradius und vor allem überhaupt kein Vorteil ist. Es gab sogar ein 400m Vorlauf, wo alle Athleten ein DQ hinter Ihrem Namen stehen hatten, was nun wirklich ein Witz ist.

Meine Aufgabe bestand nun in den nächsten zwei Tagen darin, Clemens Bleistein so gut es geht zu unterstützen, damit er einen top Wettkampf zeigt. Als Ziel setzten wir uns eine Top-8 Platzierung für ihn. Ich bin stolz, dass Clemens dieses Ziel erreichen, und nun seine verdiente Urkunde entgegennehmen konnte.

Für mich geht es nach der Hallensaison direkt weiter in die Vorbereitungsphase für die Europameisterschaften in Berlin. Mein Trainingslager absolviere ich in den USA genauer gesagt in Flagstaff (Arizona).