Gold, Silber, Bronze oder Holz

„Zur Entscheidung der ersten fünf Plätze musste das Zielfoto herangezogen werden.“

10.07.2016 Europameisterschaft Amsterdam

Traditionell wird der 5.000m Lauf am letzten Tag und meist letzte Einzeldisziplin bei einer internationalen Meisterschaft gestartet. Seit dieser Europameisterschaft weiß ich auch warum. So ein Rennen ist in der Sportwelt wirklich selten und in der Geschichte der EM wohl noch nie so vorgekommen! Es war Spannung pur, als wir 5 Athleten auf die Ziellinie zustürmten. Letztendlich konnten die ersten vier Plätze nur anhand des Photofinish entscheiden werden, weil wir uns alle mit Kopf oder Brust durchs Ziel warfen. Ich lag danach nur am Boden und hielt den Atem an, nicht wissend wievielter ich nun war. Die Videoleinwand zeigte hinter den ersten 5 Namen nur „Photofinish“ und kein Athlet wusste, ob er nun Europameister, Zweiter, Dritter oder ohne Medaille nach Hause fährt.

Nach kurzer Zeit stand es aber fest: zuerst wurden den beiden Spaniern Gold und Silber zuerkannt … als mein Name an dritter Stelle aufleuchtete war die Erleichterung und Freude dann groß. Den Moment, als ich erfuhr, dass ich eine Medaille gewonnen habe ist unbeschreiblich. Auf dem Video (siehe Mediathek) ist zusehen, wie ich meine Freude Lautstark mit dem Wort „Jawoll“ untermaure und dem Deutschen Team auf der Tribüne zu juble.

Was nun historisch ist: Die ersten drei Athleten hatten exakt die gleiche Zeit, 13:40,85min, der Vierte 13:40,86 und der Fünfte 13:40,94. Am Ende entschieden die Tausendstel.


1.
       Platz 13:40,844 Fifa
2.       Platz 13:40,847 Mechaal
3.       Platz 13:40,850 Ringer


Diese Leistung unterstreicht meine kontinuierliche Steigerung der letzten Jahre mit Platzierungen bei der EM unter den Top 8. Ein 7. Platz bei der Cross-EM, ein 5. Platz bei der Hallen-EM, der 4. Platz über 5.000m bei der EM in Zürich und nun der 3. Platz, der die Erfolgsserie mit einer Medaille krönt.

Zum Rennen:
Die Vorstellung eines perfekten Rennens ging fast auf. Mein Wunsch war, dass das Rennen um die 13:30-35min weggeht, damit sich das Feld schlussendlich auseinanderzieht und keine Gefahr von Rangeleien besteht.
Mit dem Ziehharmonika Rennen kam ich gut zurecht. Das Fartlek Training hat sich also ausgezahlt. Die Rundenzeiten selbst sind nicht das Problem, aber die immer wieder schärferen 200m Antritte hat das Feld schon Müde gemacht.
Ich versuchte immer so in Position zu laufen, dass ich auf jeden Angriff reagieren kann. Zwar bin ich öfter außen gelaufen, aber vom Kopf her war das der leichtere Weg, als evtl. eingeklemmt zu sein und nicht rauszukommen, wenn es schnell wird.
Die letzten 600m wurde ich dann regelrecht vorgespült und war so 550m vor Schluss kurze Zeit vorne, aber dann kam die Tempoverschärfung vom Hayle Ibrahimov (Azerbaijan) und Mourad Amdouni (Frankreich). Ich lag eine Runde vor Schluss auf Platz vier und ich musste zusehen, dass ich dran bleibe. Dies gelang mir gut und so konnte ich für die Endbeschleunigung auf den letzten 100m alles geben.

Ich kann nur nochmal sagen, ich bin unheimlich glücklich eine Medaille gewonnen zu haben. Mein Ziel für die Heim-EM in Berlin 2018 ist aber jetzt schon klar. Angriff auf Gold, aber zunächst geht es am 17. August für mich zum Lebenstraum Olympische Spiele nach Rio.

Euer Bodensee-Läufer

 

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