Rückblick auf die Saison 2019

Am Ende des Jahres ist immer die Zeit zurückzublicken, zu analysieren, die Erfolge und Herausforderungen gegenüberzustellen, sich zu Fragen, ob seine anvisierten Ziele erreicht wurden. Das Jahr 2019 hatte seine Höhen, aber auch Tiefen.

Wenn ich zuerst auf das Positive blicke, auf das was ich erreicht habe, denke ich sofort an meine vier Deutschen Meistertitel, mein Debüt auf der Halbmarathonstrecke und ein famoses Rennen in Heusden (NED) über 5.000m.

Die Deutsche Cross Meisterschaft in Ingolstadt, wo ich als erster Deutscher sowohl die Kurz-, als auch die Langstrecke innerhalb von wenigen Stunden gewann, war etwas ganz Besonderes. Die DM Titel über 10.000m mit großem Vorsprung in Essen und der Sieg über 5.000m in einem taktischen Rennen in Berlin waren tolle Ergebnisse. Meine Goldmedaillen-Sammlung bei deutschen Meisterschaften ist nun bereits auf vierzehn in Folge (von sechzehn Goldmedaillen insgesamt) gestiegen.

Mit meinem ersten Halbmarathon in Berlin, trotz einer langen Reise aus dem Höhentrainingslager aus Flagstaff (USA), konnte ich mit einer Zeit von 62:10 min direkt zeigen, dass mit mir auch auf den ganz langen Strecken in den kommenden Jahren zu rechnen ist.

Mein persönliches Highlight der Sommersaison war der 5.000m Lauf in Heusden, bei dem ich als Dritter des international hoch besetzten Laufes mit einer Zeit von 13:14,92 min zeigen konnten, dass ich auch auf der Bahn ein harter Konkurrent bin.

Auf der anderen Seite bot das Jahr auch Herausforderungen, die mir zeigen, dass nicht alles selbstverständlich ist, dass auch bei mir nicht immer als rund läuft, sondern einiges auch hinterfragt werden muss.

Denn es gab in dieser Zeit auch einige für mich nicht akzeptable Resultate. Das für mich traurigste wahr wohl jenes bei der WM in Doha, wo ich einen ganz schlechten Tag erwischte und die indiskutablen 13:49 das sichere Ausscheiden des Vorlaufes bedeuteten.

Mit schlechten Ergebnissen kann ich dann leben, wenn ich im Nachhinein herausfinden konnte, wo die Probleme hergekommen sind und daraus in Zukunft lernen kann.

Bei der WM hat es mich allerdings schon überrascht, dass meine bisherige Erfahrung mit Höhentraining und daran anschließende Belastungen, die teils perfekt nach Plan klappten mir ausgerechnet bei der WM wieder ein Strich durch die Rechnung machten. Man lernt nie aus und Höhentraining ist manchmal nicht immer vergleichbar; teils kommt es auf die dann anstehende Reise, Temperatur oder teils bereits auf die dortigen Umstände an. Mal komme ich aus der Höhe und bin nach 3 Tagen super fit, fühle mich jedoch vor allem nach 14 Tagen richtig schlapp um anschließend nach 3 Wochen richtig bereit für Wettkämpfe zu sein.

Diesmal fühlte ich mich allerdings nach 2 Wochen fantastisch und konnte nach 3 Wochen nicht das gewohnte Potential abrufen.

Auch der Körper eines Leistungssportlers spielt nicht immer mit, gerade wenn man sich seit vielen Jahren dem Hochleistungssport widmet. So habe ich leider bereits im Juni immer wieder Schmerzen am unteren linken Fußballen verspürt. Erst wurde angenommen, dass es sich um einen Fersensporn handelt, welche Stoßwellen- & Physiotherapietermine (der härteren Art) zur Folge hatte, die alles andere als angenehm waren, aber den Schmerz in eine Art Taubheitsstufe brachte, die mich nach einer kurzen Aufwärmphase schmerzfrei laufen ließen. Nach der Saisonpause, in der der Schmerz weiterhin bestand hatte, ließ ich mich nochmals untersuchen, wobei ein Fersensporn ausgeschlossen, aber eine Knochenhautentzündung , diagnostiziert wurde. Diesen gilt es nun final auszukurieren, um bald in die schmerzfreie Olympiavorbereitung zu starten. Schmerzfrei zu sein ist für uns Sportler das Wichtigste, um uns wirklich nachhaltig einem ordentlichen Aufbau zu widmen und dann mit voller Aufmerksamkeit und Freude an die Wettkämpfe heranzugehen.

Euer Läufer vom Bodensee